"Kleine Wunder und Geschenke des Lebens"
Bilder, die berühren
Gewidmet meinem Mann Christian Haase,
der am 29. April 2006 im Alter von 42 Jahren ganz plötzlich gestorben ist.
Gisela Haase, geb. Jaeck
Jahrgang 1958, Frankfurt am Main
Ausstellungen
- März/April 2008 - Kulturforum Hellersdorf
- Juli 2008 - Potsdamer Erlebnisnacht / Kunstallee Potsdam
- September 2008 - März 2009 - Steuerkanzlei CONTURA, Berlin Treptow
- Oktober 2008 - März 2009 - Westphalenhof, Hoyerswerda Zeißig
- Oktober 2008 - Galerie 'die 19', Potsdam
- Januar – März 2009 – Aux Delices Normands, Berlin Dahlem
- April 2009 – Zentrum für Baubiologie und Ökologie, Staufen
- April/Mai 2009 – fontiva „Haus Katharina“, Potsdam
- Mai/Juni 2009 - Rathaus Hoyerswerda
- 4./5. September 2010 - Bildungsstätte "Villa Fohrde", Havelsee
- 19. - 21. August 2011 - Kunstallee International Arts Festival Potsdam
- September - November 2011 - St.-Marien-Kirche, Trebbin
Gisela Haase ist zwar in der Großstadt aufgewachsen, hat jedoch durch ihre Eltern eine starke Verbindung zur Natur entwickelt. Von klein auf hat sie schon immer "die kleinen Dinge am Wegesrand" entdeckt, die viele andere gar nicht bemerkt haben und dann manchmal meinten "Was du so alles siehst ..."
Sie hat schon als Kind fotografiert, doch intensiver erst in ihrer Münchner Zeit, zuerst mit einer analogen Spiegelreflexkamera. Die Makrofotografie ist es, die sie fasziniert. Unweigerlich ziehen sie immer wieder die kleinen, unscheinbaren Motive an.
Im Jahr 2000 begann sie dann mit der digitalen Fotografie. Ihr Mann unterstützte sie sehr darin. Ein paar Wochen vor seinem (plötzlichen und unerwarteten) Tod sagte er, als sie von einer Fototour zurück kam: "Wenn Du mal wieder fotografieren gehst, dann mach ein schönes Bild und widme es mir". Dieser etwas seltsame Satz kam Gisela Haase erst später wieder in Erinnerung und so widmet sie ihre Arbeiten nun ihrem Mann.
Geschenke des Lebens und der Liebe
In den letzten Jahren, ganz besonders nach dem Tod von meinem Mann
Christian, hat das Thema „Glücklich sein“ und „Geschenke des Lebens“ noch
einmal eine ganz neue und sehr intensive Bedeutung für mich bekommen und
hat sich auch grundlegend verändert.
Früher dachte ich, dass ich glücklich sein kann, wenn mir „gute“ Dinge
passieren und meinte, dass etwas ein Geschenk ist, wenn ich etwas
„Schönes“ bekomme, das mir sofort Freude bereitet. Demnach müsste ich
heute eigentlich unglücklich sein und mich vom Leben sehr ungerecht
behandelt fühlen, weil ich gewünschte Geschenke nicht erhalten habe und
mir „schlimme“ Dinge passiert sind.
Doch ich kann heute für mich sagen, dass ich so glücklich bin wie noch nie
zuvor (was absolut nicht heisst, dass ich Christian nicht sehr vermisse und
nicht auch manchmal meine Tiefpunktmomente habe, wo ich einfach müde
bin und nicht mehr mag – das gehört eben auch dazu).
Durch die Erlebnisse der letzten Jahre und dadurch, dass ich immer wieder JA
zum Leben gesagt habe und bereit war, zu sehen, dass trotz alledem auch in
allem, was mir begegnet ist, vielfältige Geschenke enthalten waren, hat sich
in mir ein ganz neues und tiefes Gefühl von Dankbarkeit, Glücklichsein und
Getragensein entwickelt. (Natürlich oft auch erst nach einem längeren
Zeitraum und nachdem ich bildlich gesprochen „durch die Hölle“ gegangen
war – es gibt halt auch keine Abkürzungen).
Dieses Glücksgefühl ist etwas ganz Tiefes, das ich auch mitten in einem
Moment, wo ich traurig bin oder weine empfinden kann. Und es ist ein Gefühl,
was ganz tief in mir ist und unabhängig von anderen Menschen, äusseren
Umständen und „Wenns“ (wenn dies oder jenes passiert, dann kann ich
glücklich sein …). Und dieses Gefühl wird umso intensiver und wächst je mehr
ich es anderen mitteilen/vermitteln kann.
Und ich möchte damit auch Mut machen, dass es auch dann ein glückliches
Leben gibt, wenn sich einige Träume, die man hat, nicht erfüllen. Das heisst
nicht, dass man keine Träume haben sollte und nicht alles daran setzen sollte
seine Träume zu leben und zu erfüllen – ganz und gar nicht! Das heisst nur,
dass man auch offen dafür bleiben sollte, dass es auch anders laufen kann,
als man sich es erträumt hat und dass das trotzdem zu einem erfüllten und
glücklichen Leben führen kann. Das Leben als Wundertüte. (Man darf
trotzdem auch mal zwischendrin hadern ;-)).
Das größte Geschenk für mich, was mir auch immer wieder in Gesprächen
noch deutlicher wird, ist die Liebe zwischen Christian und mir. Diese
bedingungslose Liebe, die er mir geschenkt hat, dass er mein wahres Wesen
erkannt hat, als ich das selbst noch nicht so konnte und damit mir den Weg
zu mir selber eröffnet hat, ist die Kraft aus der ich heute noch schöpfe und
die noch immer wächst. Diese Liebe, die weit über den Tod hinaus geht und
mich immerwährend begleitet, ist ein unendlich großes Geschenk.
Und ich spüre immer deutlicher, dass das genau eines der vielen Vermächtnisse
ist: Dass ich mich traue, mit anderen zu teilen (mitzuteilen), weil die Kraft dann
zunimmt. Mit Worten, in der Arbeit, im einfach Da sein für andere, mit dem
Ausdruck über meine Fotos.
Was für ein Geschenk ist es, wenn ich das überall mit einbringen kann –
direkt oder indirekt – je nach Situation und so wie es angebracht ist - offen
oder mehr im Verborgenen nur einfach in der Herzenseinstellung den Dingen
und Menschen gegenüber, denen ich begegne – es wirkt auch ohne Worte.
Und wenn dadurch nur ein Mensch mehr in der Lage ist, ein Geschenk zu
erkennen und anzunehmen, dann ist es nicht umsonst gewesen.
In Dankbarkeit für die vielen Geschenke!
Gisela Haase - Oktober 2010

